Vertreter der Diakonie Sulz zusammen mit Ali Zarabi
Im Rahmen des Landtagswahlkampfes besuchte der SPD-Landtagskandidat Ali Zarabi die Diakonie Sulz. Dort sprach er mit Lukas Renz, Geschäftsführer der Bezirks- und Kreisdiakoniestelle, sowie mit Mitarbeitenden und Nutzern der Tafel. Ziel des Besuchs war es, sich ein unmittelbares Bild von der sozialen Lage vor Ort und den aktuellen Herausforderungen der Diakonie und der Tafelarbeit zu machen.
Deutschland gilt als wohlhabendes Land, Baden-Württemberg sogar als eine der wirtschaftsstärksten Regionen Europas. Doch dieser Eindruck trügt zunehmend. Immer mehr Menschen, insbesondere Rentner, geraten in existenzielle Not. Während der Staat einst soziale Sicherheit versprach, müssen heute ehrenamtliche Helfer einspringen, etwa bei den Tafeln. Doch selbst diese Unterstützung wird für viele Betroffene zur Herausforderung.
„In einem funktionierenden Sozialstaat bräuchte es eigentlich keine Tafel. Die Realität wird diesem Anspruch jedoch nicht gerecht“, erklärte Zarabi.
Eine Rentnerin schilderte im Gespräch eindrücklich ihre Situation: „Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet. Und jetzt muss ich mir Sorgen machen, ob ich mir mein Auto noch leisten kann – das Auto, mit dem ich überhaupt zur Tafel komme.“ Ein bitteres Paradox. Ihre Worte stehen exemplarisch für ein strukturelles Problem. Altersarmut ist längst kein Randphänomen mehr. Wer im Erwerbsleben nicht überdurchschnittlich verdient hat, dem droht im Alter der soziale Abstieg.

Die Tafel, ursprünglich Ausdruck von Solidarität und Nächstenliebe, wird zunehmend zum dauerhaften Notbehelf eines Sozialstaats, der seine Versprechen nicht mehr vollständig einlöst. „Die wachsende Ungleichheit macht mir zu schaffen“, so die Rentnerin weiter. Während wenige vom wirtschaftlichen Erfolg profitieren, kämpfen immer mehr Menschen um das Existenzminimum. „In einem funktionierenden Sozialsystem müsste es jedem gut gehen – unabhängig davon, was er gearbeitet hat.“
SPD-Kreisvorsitzender Mirko Witkowski unterstrich diese Einschätzung: „In einem gerechten System müsste es die Tafel nicht geben. Dass sie existiert, ist ein Alarmzeichen für eine Gesellschaft, die ihre Schwächsten nicht ausreichend schützt.“
Wenn Menschen trotz eines langen Arbeitslebens im Alter nicht mehr ausreichend abgesichert sind, zeigt das deutliche Schwächen im bestehenden System. Besonders problematisch ist, dass der Zugang zu Hilfsangeboten für Betroffene selbst zur Belastung wird. Zugleich übernehmen Ehrenamtliche zunehmend Aufgaben, die eigentlich in staatlicher Verantwortung liegen. Diese Entwicklung wirft grundlegende Fragen zur Verlässlichkeit des Sozialstaats auf. Altern in Würde ist keine Frage von Privilegien, sondern eine Frage gesellschaftlicher Verantwortung.
Im Gespräch mit der Geschäftsführung und den Mitarbeitenden wurde zudem deutlich, wie zentral die Arbeit der Sozialstation und des Integrationsmanagements ist. Positiv hervorgehoben wurde insbesondere die Unterstützung von Flüchtlingen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. Die Diakonie hilft beim Erstellen von Lebensläufen, bereitet Bewerbungen vor und begleitet die Betroffenen im gesamten Bewerbungsprozess. Diese Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration und Selbstständigkeit. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es mehr Unternehmen braucht, die bereit sind, mit der Diakonie zusammenzuarbeiten und entsprechende Beschäftigungsmöglichkeiten zu eröffnen.
„Leider reichen unsere Kapazitäten nicht aus, um allen Hilfesuchenden gerecht zu werden – etwa einer schwangeren Mutter, einer geschiedenen Frau oder einem arbeitssuchenden Flüchtling“, erklärte Lukas Renz. „Hier braucht es ausreichende finanzielle Ressourcen und verlässliche politische Unterstützung.“
Ali Zarabi schloss sich dieser Einschätzung an und ergänzte: „Die Politik muss bürokratische Hürden abbauen und gezielt investieren. Wir brauchen mehr Personal mit interkultureller Kompetenz in den Behörden. Vor allem müssen Flüchtlinge unabhängig von ihrer Herkunft frühzeitig die Möglichkeit erhalten, zu arbeiten und sich selbst zu integrieren.“