Bild: Rainer Pfautsch von Links Theresa Renz, Ali Zarabi, Thomas Brobeil
Der SPD-Landtagskandidat Ali Zarabi sprach im Rahmen seines Wahlkampfs mit Geschäftsführer Thomas Brobeil sowie mit der Belegschaft des Vinzenz von Paul Hospitals, einem wichtigen psychiatrisch-neurologischen Kompetenzzentrum in der Region. Dabei informierte er sich über die aktuelle Lage des Krankenhauses und über die Herausforderungen, um die sich die Politik stärker kümmern müsse.
Wahnsinn der Bürokratie
Das gemeinnützige Krankenhaus in Rottweil bietet ein flächendeckendes Angebot an stationären, teilstationären und ambulanten Behandlungen für rund 600.000 Menschen in der Region. Es ist eine bedeutende Organisation und zugleich ein großer Arbeitgeber mit rund 1.200 Mitarbeitenden. Während die Patientenzahlen steigen, wächst auch der bürokratische Aufwand.
„Es ist ein großer Aufwand, wenn dasselbe Dokument an drei unterschiedliche Behörden verschickt werden muss“, erklärte Thomas Brobeil, der zudem stellvertretender Vorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft ist. Gleichzeitig betonte Brobeil, dass die Fristen der Krankenkassen häufig sehr kurzfristig seien und kaum eingehalten werden könnten.
Als Reaktion darauf erklärte Ali Zarabi: „Bürokratie darf nicht zur Hauptaufgabe werden und die gesundheitliche Behandlung erschweren. Die Politik muss dringend auf mehr Digitalisierung und eine zentrale Datenbank setzen, die für Behörden zugänglich ist und Abläufe vereinfacht.“
Gesundheitsversorgung
Zarabi war es zudem ein Anliegen zu erfahren, warum Kassenpatientinnen und -patienten häufig große Schwierigkeiten haben, zeitnah Termine zu bekommen. Dazu merkte Brobeil an: „Es gibt mehr Psychologen mit Abschluss als je zuvor in Deutschland. Allerdings sind die anschließende Weiterbildung und die Kassenzulassung große Hindernisse.“
Für die Zulassung als Therapeutin oder Therapeut ist eine mehrjährige Weiterbildung erforderlich, die in der Regel drei bis fünf Jahre dauert. Die Finanzierung dieser Weiterbildung stellt für viele eine erhebliche Belastung dar. „Die Ausbildungskosten sind für viele kaum stemmbar“, so Theresa Renz, ausgebildete Psychotherapeutin.
Ein weiteres Hindernis sind die sogenannten Kassensitze, die von der Kassenärztlichen Vereinigung im Rahmen der gesetzlichen Bedarfsplanung vergeben werden. Nur mit einem solchen Sitz dürfen Therapeutinnen und Therapeuten gesetzlich Versicherte behandeln, andernfalls können sie ausschließlich Privatpatienten versorgen. Da die Anzahl der Kassensitze begrenzt ist, kommt es regional zu Engpässen, sodass viele Kassenpatientinnen und -patienten lange auf einen Therapieplatz warten müssen.
„Das darf nicht sein. Ein Therapietermin sollte für alle schnell möglich sein. Und die Kassenärztliche Vereinigung darf die Anzahl der Kassensitze nicht nach Belieben regulieren. Besonders im ländlichen Raum brauchen wir mehr Ärztinnen und Ärzte. Ich weiß aus eigener Erfahrung – aufgewachsen im Krieg in Afghanistan –, wie sehr eine Therapie helfen kann. Die KVen dürfen ihre Monopolposition nicht ausnutzen“, erklärte Zarabi abschließend.
Im Anschluss bedankte sich Ali Zarabi für die Leistungen, die das Hospital erbringt, und äußerte die Hoffnung, dass die Politik künftig stärker in die mentale Gesundheit der Bevölkerung investiert. Dem schloss sich Brobeil an und betonte: „Das seelische Wohlbefinden unserer Patientinnen und Patienten hat für uns oberste Priorität. Wir wünschen uns von allen demokratischen Parteien mehr Zusammenarbeit, damit unsere Hauptaufgabe die Behandlung bleibt und nicht die Bürokratie.“ So Brobeil Träger des Bundesverdienstkreuzes.